Agadee – einmal etwas andere Dunkelelfen

Die Dunkelelfen in den Vergessenen Reichen sind ja so klischeehaft und offen böse, dass es quietscht. Dort findet sich alles, was man sich so im 19 Jhd. an Verderbnis ins Mittelalter hinein projiziert hat, nur noch mit extra scharf.

Eine etwas verführerische Form für Dunkelelfen habe ich im Roman Wagadu gefunden. Dort sind es zwar keine Dunkelelfen, aber die dort beschriebene Stadt Agadee könnte problemlos auch eine Dunkelelfen-Stadt sein.

Worum geht es? Im Roman liegt Agadee im Inneren eines Berges, in den man nur mit einem Seilaufzug hineingelangt. Durch geschickt angebrachte Spiegel dringt aber soviel Sonnenlicht in die große Höhle der Oberstadt, dass man dort Nahrung anbauen und wie im Freien leben kann. Die Bewohner der Oberstadt haben ihr gesamtes Leben auf die Kunst und Philosophie ausgerichtet: Der soziale Aufstieg hängt davon ab, welche multimedialen Kunstwerke man erschaffen kann – und man bei entsprechend schlechter Bewertung auch im Rang absteigen kann. (Wobei diese Kunstwerke natürlich nicht ehrlich bewertet werden, sondern die Bewertung vom Rang des Bewertenden abhängt.)

Diese Kunstwerke sind extrem faszinierend und nahezu Sucht erzeugend, weshalb es sehr schwer fällt, sich ihnen zu entziehen.

Dieser Kunstsinnigkeit können sich die Agadee-er aber nur hingeben, weil sie ihre Arbeitskräfte ebenfalls in einer Abhängigkeit halten: Die werden mit einem magischen Lotus-Extrakt gefüttert, wodurch sie in Suchtträume verfallen. Der Drang, den Fortgang dieser Träume zu erleben, ist so stark, dass die Arbeitskräfte freiwillig immer wieder in ihr Joch zurückkehren – denn der Traum erscheint nur in Verbindung von ihnen aufgetragener Aufgabe und Konsum des Lotus. Gleichzeitig schwillt bei Gebrauch die Zunge an, weshalb die Arbeitskräfte nicht über ihre Lage sprechen können; einzig über Gesten können sie sich verständigen.

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