Rezension: ACKS Player Compendium

Das Adventurer Conqueror King System legt seinen Schwerpunkt auf den Übergang vom Abenteurer zum Herrscher. Die Grundregeln habe ich früher bereits für die Blutschwerter rezensiert, sie gefielen mir. Inzwischen besitze ich auch den Player‘s Compendium, der zusätzliche Optionen für Spieler bereitstellen soll.

Bei Kompendien fürchte ich normalerweise, dass darin der Ramsch gesammelt wird, der nicht mehr ins Hauptbuch passte. Der ACKS Player’s Compendium erfüllt hier leider teilweise meine Vorurteile.

Er besteht zum Großteil aus 19 neuen Klassen. In den meisten Fällen hätte man mit den bereits vorhandenen Proficiencies und den bestehenden Klassen ein ausreichend ähnliches Ergebnis erzielen können. Warum brauche ich eine extra Barbarenklassen, wenn der sich vom Kämpfer in erster Linie dadurch unterscheidet, dass er zweimal auf der Tabelle für tödliche Wunden würfeln darf? Warum 8 neue Magierklassen? Wirklich neu sind eigentlich nur 3 Klassen: Venturer (Händler), Mystic (Shaolinmönch) und Ruinguard.

Im Gegensatz dazu finde ich die Priestess einfach nur doof. Die ist im Grunde ein Kleriker, der mehr zaubert und weniger kämpft. Prinzipiell eine gute Idee, aber in der derzeitigen Umsetzung nur als NSC-Klasse zu gebrauchen. (Eine pazifistische Klasse bei D&D, die leuchtend weiße Gewänder tragen muss? Ernsthaft?) Gladiator, Antipaladin und Ruinguard scheinen mir auf den ersten Blick auch eher als NSC-Klassen ausgelegt, wobei ich mir zumindest den Ruinguard als Spielerklasse vorstellen könnte.

Dann folgen die Templates, also fertige Charaktere zum Sofort-Losspielen. Sie zeigen verschiedene Möglichkeiten, eine Klasse zu interpretieren und das mit den Regeln abzubilden. Zudem ersparen sie einem die Einkaufstour, weil die Templates gleich komplett mit Ausrüstung aufgeführt werden. Gefällt mir sehr gut, ich hätte mir aber noch einen Leitfaden zum Templatebau gewünscht.

Im vierten Kapitel schlüsseln die Autoren die Regeln auf, mit denen sie neue Klassen erstellt haben. So kann man sich einfach kampagnenspezifische Klassen erstellen. Normalerweise mag ich solche Regeln gar nicht, aber in diesem Fall sind sie recht gut gelungen. Man kann mit wenig Aufwand etwas basteln, was im Rahmen der bestehenden Klassen bleibt und eine bestimmte Rolle in der eigenen Kampagnenwelt ausfüllt.

Den zweiten richtig großen Block im Buch nehmen dann zusätzliche Magieregeln ein. Mehr Zauber, genauere Regeln für magische Konstrukte und Forschungen, Schlüssel wie die Autoren ihre Zauber gestaltet haben. Die verfügbaren Zaubersprüche für Magier wurden verdoppelt, weshalb man nun einen W24 braucht, um Zauber zufällig auszuwürfeln (also lieber keine Zauberer mit mehr Intelligenz bauen, als das Template vorsieht). Beim Cleric und beim Bladedancer blieb der Umfang erhalten, aber einige Zauber wurden ausgetauscht. Die Grundregeln waren eh schon etwas unübersichtlich, mit diesem Kapitel wird das also noch etwas schlimmer. Viele der Zauber tun auch nichts wirklich neues, sondern sind bloß eine andere (oftmals mächtigere) Art, das gleiche Ergebnis zu erzielen wie ein niedrigstufigerer Zauber – die Inflexibilität des Magiesystems scheint hier massiv durch.

Zum Abschluss gibt es noch ein Kapitel mit Supplemental Rules – im Grunde handelt es sich hierbei um Zeug, das aus irgendwelchen Gründen nicht ins Hauptregelbuch gepasst hat.

Insgesamt bin ich von dem Buch etwas gespalten: Einerseits enthält es einige nützliche Optionen und Anregungen, aber es ist auch viel Schrott dabei. Aufgrund des Schwerpunkt des Spiels hätte ich mir mehr fürs Lehensspiel gewünscht, aber da gibt es bloß ein paar Fallen, die man in seiner Burg einbauen kann. Alternativer Stronghold? Fehlanzeige, auf den höheren Stufen gibt es de facto doch nur die sechs Grundklassen. Zudem wimmelt es im Buch von Flüchtigkeitsfehlern. Diverse der neu eingeführten Proficiencies ändern mehrfach ihre Schreibweise, einige Verweise laufen ins Leere.

Insgesamt lässt mich das Buch etwas gespalten zurück. Ich habe es mir während einer Rabattaktion als PDF gekauft und für den Preis finde ich den Inhalt in Ordnung. Beim Preis des gedruckten Buches hätte ich mich vermutlich geärgert, dass ich so viel nicht gebrauchen kann.

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