Der Meister des Jüngsten Tages

Der Meister des Jüngsten Tages ist ein Kriminalroman von Leo Perutz, den ich kürzlich gelesen habe. Darin geht es um eine Reihe rätselhafter Selbstmorde in Verbindung mit einer Droge und darum, ob Gottfried Adalbert Freiherr von Yosch seinen Freund Eugen Bischoff im Herbst 1909 aus Eifersucht in den Selbstmord getrieben hat. Ich finde, dieser Roman eignet sich als wundervolle Ideengrube für Rollenspiel-Abenteuer in verschiedenen Genres.

In allen Fällen wären (vermeintliche) Selbstmorde von Künstlern der Auslöser für eine Ermittlung, in derem Verlauf schließlich das Pergament mit der Rezeptur für die im Roman beschriebene Droge gefunden wird. Ob es sich dabei wirklich nur um ein Rezept oder doch um Hinweise auf eine Beschwörung handelt, hängt hingegen vom Genre ab.

C’thulhu: Drogen, die es erlauben, die nicht-euklidische Welt zu bereisen, sind in Lovecrafts Werken nicht ungewöhnlich. Wahnsinn und Tod infolge dieser Reisen sind ebenfalls üblich. Auch uralte Handschriften, die in anderen Werken versteckt werden, erscheinen bekannt. Die Ermittler könnten von Yosch (oder einem Vertrauten) angeheuert worden sein, um seine Unschuld an Bischoffs Selbstmord zu beweisen, müssen das Pergament finden, entschlüsseln, den Wahnsinn überstehen und vor Gericht als Beweis vorbringen. Das „Drommetenrot“ wäre hier natürlich nur ein Zeichen für die Fremdartigkeit der Welt.

Ravenloft: Bei Ravenloft gäbe es wirklich einen Revenant (Geist, Wiedergänger), wie im Vorwort des Romans beschrieben, der Rauch erlaubt lediglich den Übergang in dessen Pocket Domain, die sich im Bewußtsein derjenigen befindet, die den Rauch eingeatmet haben. Aufgabe der Charaktere wäre es, die Schwäche des Geistes zu finden und ihn damit zu vernichten. Die Hintergrundgeschichte auf dem Pergament würde fehlen, nur der Autor wäre erwähnt. Einzig mit diesem Hinweis bewaffnet müssten die Charaktere sich auf die Suche nach dem Rest der Chronik machen, in der die entscheidenden Schlüssel gegeben werden. Im Roman wird der Rauch das erste Mal verwendet, um ein (angeblich?) ungesühntes Verbrechen zu rächen, die Schwäche des Geistes könnte daher z.B. ein Richtutensil (Richterhammer, Zitat aus einem Gesetzbuch…) sein. Bewußtlosigkeit und Unschuld wären die einzigen Möglichkeiten, um aus der Pocket Domain zu entkommen, ohne den Geist vorher zu vernichten.

Earthdawn: Ähnlich wie bei Ravenloft, aber der Geist wäre ein Horror (Dämon) und die Schwäche ein Fadengegenstand. Außerdem wäre der Horror nicht alleine, er hätte die Seelen seiner bisherigen Opfer als Sklaven bei sich und würde sie in den Kampf gegen die Helden schicken (z.B. als Nebelgeister). Während bei Ravenloft der Schwerpunkt auf der Erkundung läge, wäre bei Earthdawn der Kampf gegen den Dämon wichtiger.

High-Fantasy: Der Rauch öffnet den Eingang zu einem versteckten Dungeon, in dem wenig ist, wie es scheint. Jedes der bisherigen Opfer bildet einen Raum, erst wenn man alle anderen Räume „bezwungen“ hat, kann man den Geist selbst stellen und vernichten. Vorher verschwindet er bei seinem „Tod“ immer in sein unzugängliches Sanktum.

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