[Rezension] The Black Hack

Wieder einmal wurde ich mit frischem Rollenspielmaterial versorgt; diesmal mit The Black Hack, einem ultraleichten Regelwerk aus der OSR-Szene. Ich kenne Rollenspiele, deren Vorwort mehr Zeichen enthalten als hier Regelwerk, Setting und Meisterschirm zusammen.

Sogar die NIP’AJIN-Szenarien (Regelwerk und Abenteuer auf 20 Seiten) benötigen mehr Text – und die finde ich eigentlich schon etwas zu kurz. Ich bevorzuge ja eher mittelschwere Systeme wie ACKS, LotFP, D&D 5 oder REIGN.

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Es handelt sich bei The Black Hack um extrem eingedampfte und spezialisierte Regeln, bei denen die Kürze teilweise zulasten der Verständlichkeit geht. Einige Sätze musste ich mehrfach lesen, weil sie zunächst wie eine sinnentstellende Kürzung wirkten. Besonders der Abschnitt »Death & Dying« leidet unter diesem Problem.

Das gesamte System hängt extrem vom Glück: Die Attribute, auf denen alle Proben (einschließlich Rettungswürfe und Angriffe) basieren, werden bei der Charaktererschaffung ausgewürfelt. Anschließend kann man Werte austauschen. Meiner Meinung nach ein Lapsus, der die zufällige Erschaffung ad absurdum führt. Entweder würfeln, um die Kreativität anzuregen, oder auswählen.

Beim Stufenanstieg würfelt man noch mal auf jedes Attribut, um zu gucken, ob es steigt. Statistisch gleichen sich Charaktere also immer weiter an. Praktisch hängen die Fähigkeiten des Charakters einzig und allein vom Würfelglück bei Erschaffung und Stufenaufstieg ab, nicht von der Stufe an sich.

Es gibt zwar auch einige gute Ideen, etwa den Abnutzungswürfel für Verbrauchsgegenstände oder die Tipps zum Erstellen einer Stadtkarte, insgesamt lassen mich die Regeln aber eher kalt. Das gleiche gilt leider für Sorrowset, das mitgelieferte Setting. Es erweckt bei mir den Eindruck, es sei um seiner selbst willen trostlos und absurd. Ich wüsste nicht, warum ich es spielen sollte. Für existenzielles Drama gibt es Storygames wie Fiasko und für eine lustige Runde mit einfachen Regeln SpacePirates.

Selbst die kleine Karte mit den Dungeon-Symbolen hat eine Macke: Auf der Rückseite sind alle Symbole an der entgegengesetzten Stelle an der sie auf der Vorderseite wären, wenn ich die Karte zerschneiden, funktioniert also nur noch eine der beiden Seiten.

Insgesamt erweckt The Black Hack bei mir den Eindruck, es richte sich in erster Linie an Leute, die normalerweise frei spielen und die Regeln bloß als Interpretationshilfe für die gemeinsam erzählte Geschichte brauchen. Zum Einstieg in die OSR kann ich es hingegen nicht empfehlen, da es meiner Meinung nach weder Geist noch Stil einfängt.

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