Xegity: SciFi und Zugänglichkeit von Welten

Die Diskussion im Tanelorn überSciFi-Rollenspiele und Ionflux‘ Blog führt es meiner Meinung nach recht gut vor: Ein Rollenspiel verkauft sich dann gut, wenn es leicht zugänglich ist. Das ist zwar nichts grundsätzlich neues, denn es wurde auch schon im FERA diskutiert und von 1of3 gebloggt, aber trotzdem gibt Xegity nun ein gutes Praxisbeispiel ab.

Meiner Meinung nach ist das Problem von Science-Fiction nämlich nicht der „höhere Anspruch an naturwissenschaftlichem Wissen“ den es stellt, sondern schlicht und ergreifend die größere Einstiegshürde, wie es ja in Ionflux‘ Blogbeitrag so schön heißt. Dort umreißt er – ohne es zu erkennen – das Problem recht gut: „Mit Xegity halte ich mich nicht unbedingt an Genre-Grenzen.“ (Da macht es Galactis Ephorân schon besser, wenn es bloß „die vordere Hälfte der Seriennummer abfeilt“)

Genres dienen nun unter Anderem dazu, die Einstiegshürde zu senken, etwas leichter begreifbar, zugänglicher zu machen. Wer sich an die Grenzen hält oder sie zumindest nur an wenigen Stellen verletzt, der hat ein leicht zugängliches Spiel. Wer Grenzen überschreiten will, muß mehr Arbeit aufwenden, um die Einstiegshürde niedrig zu halten.

Leider hat die Science-Fiction allgemein das Problem, die Einstiegshürde massiv hochzutreiben, indem sie einerseits praktisch keine Genregrenzen festlegt, außerdem aber einen verdammt hohen Anspruch an ihre Werke stellt. Dies führt dazu, daß ein Großteil der Science-Fiction-Geschichten aus der „Goldenen Zeit des Science-Fiction“ heute nicht mehr als Science-Fiction anerkannt wird: Heute sind es „Space Operas“, „Cyberpunk“, „Future Fantasy“ oder „Space Fantasy“. Es führt zudem dazu, daß die Science-Fiction massiv in die Hochliteratur drängt, ohne den erforderlichen Unterbau in der Trivial- und Unterhaltungsliteratur aufzubauen, was die Einstiegshürde weiter erhöht. In „echter“ Science-Fiction muß ich nicht nur einen komplizierten Inhalt erfassen, sondern mich zudem in einer (symbolisch) nicht erschlossenen Welt zurechtfinden.

Um mich Xegity zu nähern, müsste ich erst einmal ein eigenes Genre definieren Cyberpunk in Space passt im ersten Augenblick recht gut. Wenn man sich den Hintergrund und die geplante Entwicklung ansieht, ändert sich dieses Genre aber zum typischen Weltenrettungsszenario aus der Fantasy. Ein wenig fühle ich mich sogar an Shadowrun erinnert: Die Menschheit wird von zerstrittenen Konzernen beherrscht, muß aber dennoch eine Grenze überschreiten, um der vollkommenen Vernichtung durch eine fremde Macht zu entgehen. (Xegity hat zwar keine Fantasyrassen, aber dafür ein paar Außerirdische; Magie gibt es auch nicht, dafür halt PSI)

Bei Xegity habe ich im Grunde also zwei Szenarien, die ich bespiele: Cyberpunk in Space und Retter der Menschheit. Shadowrun bietet zwar das Gleiche, macht es durch seine Vermischung mit typischen Fantasyaspekten aber leichter verdaulich. Dieser Punkt fehlt bei Xegity.

Xegity benutzt noch nicht einmal bestehende Weltraum-Phänomene á la Star Trek in fantastischer Weise, sondern erfindet komplett neue, um nur ja keine wissenschaftlichen Fehler zu machen. Man stelle sich vor, Verschwörungsrollenspiele täten das Gleiche: Man könnte keine der gängigen Verschwörungstheorien verwenden, sondern müsste sich für jedes Spiel neue ausdenken; im Bermudadreieck verschwinden schließlich nicht mehr Schiffe als sonstwo.

Wenn also schon derartig große Einstiegshürden bestehen, um sich überhaupt symbolisch in der Welt zurechtzufinden, dann erreicht man die vom Autor erst als Problem angesehene Hürde des naturwissenschaftlichen Verständnisses gar nicht mehr. (Wobei es ohnehin dämlich ist, in einem fiktionalen Werk Wissen vorauszusetzen, daß nicht wenigstens ab dem Physik-Grundkurs der gymnasialen Oberstufe zur Allgemeinbildung gehört) Das Problem heißt also nicht, daß die Mehrheit zu dumm für Science-Fiction ist, sondern, daß die wenigstens Science-Fiction-Autoren ihre Hausarbeiten machen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.