Retroklonmangel

Nun besteht nicht gerade ein Mangel an Retroklonen (auch als Scheinbildspiele bekannt), aber sie nehmen meiner Meinung nach ihren Namen zu Ernst: Sie sind wirklich nur Klone des zugrundeliegenden Spiels, enthalten – außer in Einzelfällen – kaum innovative Ideen. Damit qualifizieren sie sich noch nicht einmal als Herzensbrecher.

Das ist noch nicht einmal schlecht, wenn man sich das ursprünglich Ziel von OSRIC oder Labyrinth Lord ansieht, die beide in erster Linie eine Grundlage sein wollten, auf der Autoren neue Abenteuer und Quellenbücher für die jeweiligen Originalspiele (AD&D 1st Ed. bzw. Basic Set D&D) veröffentlichen können. (Neuerdings hat sich dies etwas geändert, beide wollen stärker als eigenständige Regelwerke gelten und wenden sich nun auch direkt an Spieler)

Es fällt schon wesentlich stärker auf, wenn man sich Basic Fantasy ansieht, das eben keine Emulation sein will, sondern ein eigenes Spiel. Nun ist es wirklich eine gute Vermengung von Regeln aus diversen Prä-d20 D&D Regelwerken, die auch funktionieren, aber im Grunde eben doch ein Basic Set D&D mit eingebauten Hausregeln aus langjähriger Spielpraxis. Das Spiel läuft flüssig, die Regeln sind größtenteils gut beschrieben, im Grunde gibt es nicht viel daran zu meckern: Es funktioniert.

Nur stellt sich mir die Frage: Warum so viel Arbeit in einen Klon stecken, wenn das Original deutliche Schwächen aufweist? Es gibt in der Old-School-Szene inzwischen viele Analysen, welche sich mit den Stärken und Schwächen von Old-School-Spielen beschäftigen, die den besonderen Flair darstellen und warum Regeln wie funktionieren, von den Retroregelwerken aber bislang größtenteils ignoriert werden. Wieso kommt keiner der Autoren auf die Idee, diese Ansätze zu nutzen, um gezielt für diese Ansprüche ein unbelastetes Spiel zu schreiben? Dies würde auch neuen Spielern den Einstieg erleichtern, weil eben keine Konzepte versteckt mitgeschleppt werden, die alten Hasen schon in Fleisch und Blut übergegangen sind, von Neulingen aber komplett neu erarbeitet werden müssen. Aber vermutlich ist dies das Problem: Für die alten Hasen besteht kein Leidensdruck und die restlichen Spieler weichen einfach auf New-School-Regelwerke aus.

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